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Veränderungsbereitschaft Ein Obstkorb allein gewinnt keinen Preis 

Vor kurzem erst habe ich wieder einen Beitrag auf LinkedIn gelesen, in dem ein Coach/ Berater gesagt hat, er übernimmt keine Aufträge mehr, in denen er Mitarbeiter krisenfit bzw. resilient machen soll. Er möchte lieber ganzheitlich, systemisch mit dem Kunden arbeiten. Er wünscht sich eine größere Veränderungsbereitschaft der Verantwortlichen. 

Im Themenfeld des Betrieblichen Gesundheitsmanagement, gibt es dieses Bild des „Obstkorbes“, der für Angebote steht, die der Organisation keine großen Veränderungen abverlangen, aber meist auch nur wenig Wirkung zeigen. Natürlich ist gesunde Ernährung ein wichtiges Thema und niederschwellige Angebote ein attraktiver Bestandteil eines guten Maßnahmen-Katalogs. Zu diesem Katalog sollten jedoch auch Maßnahmen gehören, die mit größeren Veränderungen verbunden sind. 

Zwei Ansätze – verhaltensorientiert UND verhältnisorientiert 

Oft wird an dieser Stelle nach verhaltensorientierten und verhältnisorientierten Maßnahmen unterschieden. Leider sind diese im Arbeitsalltag sehr ungleich verteilt. Das bedeutet zum Beispiel im Bereich mentale Gesundheit, dass die Mitarbeitenden resilient werden sollen, ggf. die Führungskräfte auch sensibilisiert werden aber die Verhältnisse in denen gearbeitet werden oft nicht ausreichend betrachtet und bearbeitet werden. Dabei könnte man über technische Ausstattung, Prozesse, Strukturen und Funktionen ebenfalls gestalterisch wirken und psychische Belastungen effizient reduzieren. So entsteht der Eindruck, dass die Mitarbeitenden eine große Veränderungsbereitschaft entwickeln sollen, die Organisation mit all ihren Wesenselementen aber selbst eher die Stabilität und Sicherheit für sich sucht. 

Dabei geht es auch ein Stück weit darum, wie die Verantwortung wahrnehmbar geteilt wird. Die Mitarbeitenden beobachten sehr sensibel, wenn auf Grund hoher Fehlzeiten wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen die Rückentrainerin kommt und den Mitarbeitenden Übungen zeigt und empfiehlt in der Freizeit für die eigene Gesundheit den Rücken zu trainieren. Das Management aber erstens nicht selbst daran teilnimmt und zweitens kaum Anreize/ Möglichkeiten für eine aktive Pausengestaltung gibt bzw. Geld investiert, um Arbeitsplätze ergonomisch zu gestalten oder arbeitsnahe Trainingsmöglichkeiten (wie vergünstigte Mitgliedschaften o.ä.) anzubieten.  

Das lässt sich auf weitere Themen, wie zum Beispiel das Einhalten von Arbeitszeiten übertragen. Wenn Führungskräfte gut begründet ihren Mitarbeitenden erklären bitte nicht am Wochenende oder im Urlaub zu arbeiten, es aber wahrnehmbar selbst tun, ist es doch nachvollziehbar, dass die Mitarbeitenden nun in einer Zwickmühle stecken. Verhältnisorientiert betrachtet, gibt es sicher technische Möglichkeiten, Zugänge zu beschränken, innerhalb der Funktionen verlässlich die Urlaubs-Vertretung zu klären, Prozesse so zu gestalten, dass keine wichtigen Termine in die Urlaubszeit fallen und auch kein anderer Zeitdruck entsteht. Dies setzt aber eine entsprechende Veränderungsbereitschaft voraus, solche Maßnahmen, die über die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden hinaus, andere Wesenselemente einer Organisation betreffen, zuzulassen, mit entsprechenden Ressourcen auszustatten und erfolgreich mitzugestalten. 

Veränderungsbereitschaft – Noch mehr gemeinsam weiterentwickeln 

Auch wenn ich hier nur wenige Themen oberflächlich anreißen konnte, sollen diese Beispiele zeigen, dass es mehr gibt als die Maßnahme „machen sie mal meine Mitarbeiter krisenfit/ resilient“. Ja, die Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit sind ein ganz wichtiger Bestandteil, die (vor)gelebte Praxis, die Verhältnisse gehören jedoch genauso dazu. 

Wie so oft geht es um die richtige Balance. Natürlich kann ich auch verstehen, dass es gute Gründe gibt, an Bewährtem festzuhalten. Es gibt sicher auch noch viele Mitarbeitende, die noch mehr Eigenverantwortung übernehmen können. Es gibt meiner Wahrnehmung nach aber immer noch ein großes Ungleichgewicht von wem Veränderungsbereitschaft erwartet wird. Dabei wandeln sich Organisationen bereits mehr denn je, werden flexibler in ihren Strategien und in ihrer Außenwirkung. Ich wünsche mir, dass sie im Sinne ihrer Mitarbeitenden auch nach Innen eine größere Veränderungsbereitschaft zeigen und dass die neuen Wege noch mehr gemeinsam gegangen werden. 

Wenn Sie sich austauschen wollen, wie Sie neue Wege noch mehr gemeinsam gehen können oder unzufrieden sind über die Wirksamkeit Ihrer bisherigen Initiativen, dann lassen Sie uns reden. 

MfG 

Tom Neumann 

 

 

 

 

 

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